King Kongs Füße

Donnerstag, 25. September 2014

in
Soso, da hatten wir in dieser Woche also wieder einmal eine Klimakonferenz der UN. Und was hat es gebracht - wie immer nur viele, viele zurückgelegte Flugzeugmeilen der Teilnehmer und Riesenaufwände für die Veranstaltung.

Ach, beinahe hätte ich es vergessen, die UN hat ja nun auch einen neuen Sonderbotschafter für das Klima: Leonardo DiCaprio

Leonardo DiCaprio??? Ein Mann mit dem ökologischen Fußabduck von King Kong?!

Wie, was? Ach so, seine Privatflieger werden nicht mit Flugbenzin sondern Blümchenparfum betankt und stoßen statt klimaschädigenden Abgasen nur den Duft nach Veilchen und Rosen aus. Sein tolles Hybridauto ist aus ressourcenschonendem Brezelteig, na wenn das so ist...

Und seine vielen Reisen an die Hot Spots dieser Welt macht er nur, um zu schauen wie sehr die Menschen schon unter den Folgen des Klimawandels leiden. So auch in diesem Sommer als er auf der Luxusjacht eines "Freundes" zur WM nach Brasilien gereist ist um sich dann vor Ort anzusehen, wie es den Menschen in den Favelas geht.

Jaja, er ist schon ein toller Typ, von dem lassen sich die Teilnehmer der UN-Konferenz und wir alle doch gern sagen, dass wir etwas gegen den unverantwortlichen, menschengemachten Klimawandel tun müssen. 

Ja, er ist fast so toll wie Al Gore, der unermüdlich im Privatflieger um die Welt reist um uns bei seinen (mit sechsstelligen Summen dotierten Vorträgen) mitzuteilen, was wir alles falsch machen. Zwischenzeitlich gönnt er sich dann die wohlverdienten Ruhepausen in einem seiner drei Luxusanwesen, deren Stromrechnung höher ist, als das Einkommen eines Durchschnittsverdieners (der westlichen Erdhalbkugel).

Was würden wir bloß ohne diese selbstlosen Weltenretter tun?

Hm, wir könnten z.B. das Buch eines Menschen lesen, der nicht Wasser predigt und Wein trinkt sondern seine Erkenntnisse (obwohl von Hause aus Volkswirt) in einer verständlichen Sprache rüberbringt und seine Thesen nicht nur verbreitet sondern auch selbst danach lebt.

Die Rede ist von Niko Paech dem wohl bekanntesten deutschen Vertreter der Postwachstumsökonomie und seinem Buch "Befreiung vom Überfluss".

Sein Buch hat mich außerordentlich beeindruckt. Zugegeben, die Lektüre läßt einen ließ mich durchaus das eine oder andere mal schlucken, aber letztendlich kann ich ihm und seinen Aussagen nur beipflichten. Um die Probleme zu lösen, die unsere bisherige Lebensweise (und die unserer Eltern und Großeltern) bisher angerichtet haben, geht es um nicht weniger als die völlige Änderung unserer Gewohnheiten.

Nico Paech stellt nicht nur dar, wie die Situation in der Welt durch das menschliche Konsumverhalten der letzen Jahrhunderte  geändert wurde und wie sehr wir alle daran Anteil haben. Er macht auch deutlich, dass das sogenannte "grüne Wachstum" ein Wunschtraum derjenigen ist, die zwar das Klima verbessern, aber bitte keine Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen wollen.

Natürlich wird sein Buch all denjenigen nicht gefallen, für die regelmäßige Shoppingtrips mit dem Flieger in attraktive Hauptstädte zum Menschenrecht gehören, und für die die freie Fahrt für freie Bürger im SUV mit dem sie erst die Kinder in die Schule bringen, dann zum Lebensmittelkauf   im Biomarkt fahren und abschließend noch einen Abstecher zu Manufactum machen, wo es sie noch gibt die guten Dinge, schlichtweg lebensnotwendig erscheint.

Auch wenn es sich vielleicht so anhört, ich möchte Niemand selbstgerecht auf die Füße treten. Vielmehr ist mir selbst bewußt geworden, dass es noch lange nicht reicht, auf das Auto zu verzichten (was mir nicht schwer fällt, da ich in einer Großstadt mit guten öffentlichen Verkehrsmitteln wohne) vegan zu essen (auch keine Leistung, da es mir wirklich schmeckt) und nicht mehr zu fliegen (bekanntermaßen bin ich sowieso ein Reisemuffel, da fällt der Verzicht nicht schwer).

Es geht darum, nach und nach immer wieder zu überprüfen, wo besteht noch Änderungsbedarf in meiner Lebensweise.  Die bisher deutlich, schwierigste Baustelle ist für mich der Verzicht auf den Kauf von neuen Stoffen. Zwar habe ich immer noch beträchtliche Vorräte in meinen Schränken, aber die kleine gierige Stimme im Kopf die immer wieder ruft "Oh ist das schön, das will ich haben!"  macht sich doch immer wieder bemerkbar. Und ich gestehe, es gab Momente da war ich wirklich ganz kurz davor schwach zu werden und heilfroh darüber, dass der Stoffladen in meiner Nähe ausnahmsweise mal keinen Tisch mit Schnäppchenangeboten vor der Tür stehen hatte - puh, noch mal Glück gehabt.

Was ich damit sagen will: Wie wir alle bin auch ich nicht gefeit davor, in alte Verhaltensweisen zurück zufallen. Ich kann auch durchaus verstehen, dass viele Menschen von der Vorstellung der notwendigen Änderungen verängstigt sind, und statt dessen lieber weghören, weil sie das Gefühl haben nichts ändern zu können.

Es ist nicht verwunderlich, wenn es beängstigend auf uns wirkt, uns von dem Weltbild mit dem wir aufgewachsen sind und das uns (medial) immer wieder um die Ohren gehauen wird - kaufe, dann geht es dir gut/ Wachstum ist wichtig - zu lösen. Aber diese Notwendigkeit gab es im letzten Jahrhundert bereits mehrfach insbesondere für die Bewohner unseres Landes - wenn auch nicht im Hinblick auf den Konsum sondern auf die politische Ausrichtung.

Dabei liegt in dieser Veränderung für uns eine doppelte Chance. Es ist ja nicht so, dass wir Menschen in der westlichen Welt den Rest der Weltbevölkerung mit unserem Konsumverhalten restlos ausbeuten und dabei nicht nur Klimaveränderungen sondern auch politische Krisen und die entsprechenden Reaktionen darauf verursachen. Der Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft, geht es noch nicht einmal gut dabei. Permanente Überforderung, Orientierungslosigkeit in einer multioptionalen Gesellschaft und Burnout sind weit verbreitete Phänomene die in erschreckender Weise zunehmen.

Ein Grund mehr, sich auch mit unbequemen Tatsachen auseinanderzusetzten und zu überlegen, was kann ich selbst an meinem Verhalten sinnvoll verändern, damit es nicht nur den anderen Menschen sondern auch mir selbst besser geht.

Ich kann den Frust über die regelmäßige Ergebnislosigkeit von Klimagipfeln nachvollziehen. Aber warum sollten wir uns davon abhängig machen?

Denn, mal ehrlich: Welche Änderungen im Hinblick auf den Klimaschutz könnten Politiker umsetzen, die uns nicht persönlich beträfen und für Unbequemlichkeit sorgen würden?

Keine! Wir wären immer betroffen, durch Mehrkosten oder Verzicht. Da können wir doch auf die Aktivitäten unserer nachgewiesenermaßen in dieser Hinsicht nicht interessierten Politiker verzichten und unser Leben selbst in die Hand nehmen.

So, für alle, die meine Tiraden bis hierhin tapfer durchgestanden haben, gibt es wie immer den Service zum Buch. Wer Kein Geld für das Buch ausgeben (und mindestens drei Äste eines Baumes sparen will) der kann sich Niko Paech und einen seiner vielen Vorträge auch auf Youtube ansehen, z.B. hier 

 

Kommentare:

  1. Nachdenkliche Zeilen....., sehr schön geschrieben.
    Vielen Dank für den Buch-Tipp.
    Liebe Grüße von Heike

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  2. danke für den Tip - tatsächlich habe ich von Niko Paech noch nichts gehört, bis jetzt. Und ja, bei dem Wort "Verzicht" schaten die meisten doch vermutlich weg (mich auch zum Teil miteingeschlossen, weil ich von Zeit zu Zeit doch nicht auf den Kauf neuer Dinge verzichten mag). Vielleicht habe ich deshalb mein Auto noch nicht abgestoßen, weil ich es doch ein-zweimal im Monat für größere Einkäufe brauche ... oder mich reizen bestimmte Stoffe/Kleidung/Bücher/Schallplatten whatever...

    Was diese ganzen Sonderbotschfter angeht, heißen sie Angelina Jolie, Emma Watson u.v.m., die geben sich alle nichts, so viel, wie sie in der Weltgeschichte umher reisen.

    Lieben Gruß
    Ulrike

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