Projekt Minimalschrank - Teil 1

Dienstag, 23. Februar 2016

in

Wie in meinem letzten Post bereits erwähnt, treibt mich seit geraumer Zeit die Frage um, wie ich den Inhalt meines Kleiderschranks in eine möglichst kleine, aber perfekt auf mein Leben abgestimmte Garderobe verwandeln kann.



Wieso eigentlich den Kleiderschrankinhalt reduzieren? Ich vermute, das ist zum einen typbedingt, hängt aber sicher auch mit unserem heutigen Leben zusammen. 

Es gibt bekanntermaßen die "Eichhörnchen" unter den Menschen, die fleissig alles in ihre Wohnung tragen, was ihnen gefällt und sich mit ihren wachsenden Besitztümern wohl fühlen. Das finde ich absolut in Ordnung und denke auch nicht, dass diese Menschen etwas ändern sollten, wenn sie sich so wohlfühlen.

Daneben gibt es noch die Menschen, die nichts konkret sammeln, sich aber immer wieder wundern, wo plötzlich wieder der ganze Kram herkommt, der sich in ihrer Wohnung befindet und sie mehr und mehr zu stören beginnt. Meist sieht es in den Wohnungen dieser Menschen eh schon recht aufgeräumt aus, für manch einen sogar fast schon zu leer, aber den Bewohnern selbst erscheint es bereits wieder zu voll. Zu dieser Gruppe ich wohl auch. Ich glaube es liegt an einer geringeren Abgrenzungsfähigkeit gegen die permanente Reizüberflutung der wir ausgesetzt sind. Da ist es dann sehr erholsam, sich in seinem zuhause in einer angenehm reizfreien Umgebung zu befinden.

Daher finde ich auch die Vorstellung sehr verlockend, zukünftig in einen Schrank zu schauen, der einen relativ überschaubaren Inhalt aufweist, den ich aber auf eine möglichst vielfältige Weise miteinander kombinieren kann. Also: Minimaler Inhalt mit maximalen Möglichkeiten.
Mein Ziel: Ich greife in den Schrank hinein und egal welche Teile ich herausziehe, alles passt zusammen unabhängig davon was ich miteinander kombiniere.

Ich möchte beim Blick in den Schrank nicht mehr von der Vielzahl des Angebotes erschlagen werden. Vor allem möchte ich nicht mehr darüber nachdenken müssen, was ich anziehe, weil mein Schrank so viele verschiedenen Möglichkeiten bietet, damit ich meine geistigen Kapazitäten für andere Dinge nutzen kann.

Bildlich gesprochen wünsche ich mir einen Kleiderschrankinhalt, der so ist wie ein hochwertiger, gut eingetragener Schuh: Er passt wie angegossen nicht nur mir sondern auch zu jeder möglichen Gelegenheit. Er drückt nicht, ist aber weder abgetragen noch  auffällig neu, kurzum: Er ist einfach perfekt.

Vor ca. 20 Jahren hatte ich übrigens schon einmal eine ähnliche Phase, in der ich ausschließlich schwarze Kleidung getragen habe. Farbe habe ich nur über unterschiedliche bunte Halstücher zu meinen täglichen Outfits hinzugefügt. Auch damals ging es mir darum, mit möglichst wenig Aufwand, eine perfekte kleine Garderobe zu gestalten.

Kleine Anekdote am Rand: Zu der Zeit habe ich noch als Vertriebstrainerin gearbeitet. Eines morgens kam ich in den Seminarraum und alle meine Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren ausnahmslos schwarz gekleidet. Sie hatten sich extra dazu verabredet. Das fand ich irgendwie richtig süß...

Als ich allerdings wieder angefangen habe vermehrt mein Kleidung selbst zu nähen, fand ich es auf die Dauer doch ziemlich deprimierend immer nur schwarze Kleidungsstücke zu nähen und der Blick in meinen Kleiderschrank war irgendwie so - trist. Ganz so einseitig werde ich es also zukünftig nicht halten.

Wie soll es denn nun demnächst in meinem Schrank aussehen? Also erst einmal die Ärmel aufkrempeln und im Netz umschauen, welche Herangehensweisen es zu diesem Thema geben könnte:

Sehr bekannt ist z. B. das Project 333 von Courtney Carver. Zusammengefasst geht es darum alle drei Monate eine saisonale Garderobe zusammen zu stellen, die an die aktuellen jahreszeitlich bedingten Temperaturen angepasst ist und jeweils nicht mehr als 33 Teile beinhaltet. Zu diesen 33 Teilen gehören auch Schuhe, Jacken/ Mäntel, Schmuck und Accessoires. Nicht mitgezählt werden Unterwäsche, Sportbekleidung, und alles was ausschließlich zuhause oder im Bett getragen wird.
Mir persönlich hört sich das nach zuviel Aufwand an. Da sich die Jahreszeiten in unseren Gefilden wettermäßig immer weniger voneinander unterscheiden, halte ich es nicht für notwendig, alle drei Monate den Schrankinhalt neu zusammen zu stellen.

Auch sehr bekannt ist die sogenannte "ten Item wardrobe" nach Jennifer L. Scott. Auf ihrem Blog The Daily Connoisseur und ihrem Youtube Kanal erklärt sie genau, was darunter zu verstehen ist und stellt die jeweils aktuelle Version vor. Inspiriert von einem längeren Aufenthalt in Paris während ihres Studiums und beeindruckt von der (insbesondere im Vergleich zu Amerikanern) kleinen aber stilvollen Garderobe ihrer Gasteltern und Bekannten in der Stadt, startete sie Ihr Blog und hat mittlerweile auch mehrere Bücher zum Thema stilvolles Leben und stilvolle Garderobe verfasst. Am bekanntesten ist mittlerweile das Buch "Lessons from Madame Chic".
Auch bei Scott geht es um die Zusammenstellung einer vierteljährlichen Garderobe, die aus ca. 10 Hauptelementen besteht. T-Shirts, Mäntel und Strickjacken werden aber nicht mit zu den 10 Stücken addiert und laufen als Basics nebenher.
Hier seht Ihr den Film über die 10 Teile für den Herbst/ Winter 2015:



                                                                           


Das Prinzip ist also so ähnlich wie beim Project 333 es wird nur anders gezählt. Auch hier finde ich den Ansatz gut, für mich ist es aber nach wie vor zuviel Aufwand und Farbe.

Eine vollkommen andere Herangehensweise findet sich dagegen bei Mathilda Kahl. Einer jungen Frau aus New York die jeden Tag im Büro das gleiche Outfit trägt.


                                                                           


So eine Uniform vereinfacht das Leben natürlich enorm und hat für mich durchaus einen gewissen Reiz, aber ich denke auf die Dauer wäre es mir wohl doch zu langweilig. Auch Mathilda Kahl beschränkt sich mit ihrer Uniform nur auf die Kleidung im Büro.

Sehr beeindruckt hat mich Ariana die in Paris lebt und in ihrem Blog Paris to go über nachhaltiges Leben und ihre minimalistische Garderobe schreibt. Sie hat eine wirklich sehr kleine (und sehr schicke) Garderobe, die nicht in jedem Quartal neu zusammen gestellt sondern das ganze Jahr über getragen wird. Darüber hinaus kauft sie ihre Kleidung auch noch second hand. Respekt! 
In diesem Post bekommt Ihr einen schönen Überblick über den Inhalt ihres Kleiderschranks.

Eine fast schon wissenschaftlich akribische Herangehensweise zum Thema findet sich auf dem wunderschön gestalteten Blog INTO MIND der jungen Anuschka, die in Berlin lebt, allerdings international ausgerichtet in englischer Sprache bloggt. Bei ihr finden sich diverse Checklisten mit denen man sich dem Ziel einer Traumgarderobe nähern kann. Wer Spaß an Checklisten hat und sich die Mühe machen will kann bei ihr auch für 20 € ein 85 seitiges Workbook als PDF bestellen.  Netterweise stellt sie auch einige Kostproben auf ihrem Blog kostenlos zur Verfügung. So z. B. ein Planungsvorlage für eine perfekte Sommergarderobe.
Auch wenn mir persönlich eine solch akribische Planung etwas zu aufwändig ist, finden sich bei ihr doch viele tolle Anregungen, die ich auch bei meiner eigenen Planung berücksichtigen werde.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens noch Frau Schneiderherz, die auf ihrem Blog auch bereits seit einigen Wochen eine Reihe von Posts zum Thema Genügsamkeit beim Nähen und schöner Kleiderschrank schreibt. Sehr hübsch finde ich z. B. die Idee des Fashion Sudoku, die sie hier beschreibt.

Weiter geht es in meinem nächsten Post zum Thema Minimalschrank übrigens mit der Frage, wie sich der Inhalt des Schrankes am sinnvollsten reduzieren lässt, bevor man mit der Planung und Erstellung einer neuen Garderobe beginnt.

Kommentare:

  1. Ich finde ja bei diesen "minimalistischen" Plänen immer faszinierend, dass da ständig aussortiert wird. Das kommt mir so verschwenderisch vor. Und andererseits kommt da immer wieder der gleiche Look raus, Normcore oder Audrey Hepburnesque. Und wenn ich mir die Mühe mache was selbst zu nähen soll es schon individuell sein und falls gelungen auch möglichst lange tragbar.
    Ich habe meinen Kleiderschrank unfreiwillig auf 10 Stücke reduziert, und ich freue mich schon wieder auf die freie Auswahl. So wie nach dem Urlaub, wo man auch immer alles zusammenpassend mitnimmt und dann froh ist mal was anderes zu tragen...

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Dalia,
    ich verstehe gut, was Du meinst. Erfreulicherweise muss ich meine Sachen nicht einfach irgendwohin entsorgen, sondern kann sie an nette Menschen die ich kenne weitergeben und freue mich dann immer wenn ich sie später wieder an der Frau sehe. Ach guck, wie schön, das hab ich ja genäht, hatte ich schon ganz vergessen...
    Was das Thema Normcore angeht, liegt es wohl daran, dass die meisten Menschen mit bewusst kleiner Auswahl sich auf eher unauffällige Kleidungsstücke begrenzen - wer will schon jeden Tag im gleichen pinken Glitzerfummel bei der Arbeit auftauchen ;o)
    Übrigens finde ich es schön, dass es Menschen mit großer Kleiderauswahl gibt. Das schaue ich mir immer sehr gern an und freu mich auch darüber. Genau wie Wohnungen in denen viel mehr Kram herumsteht als bei mir zuhause. Die finde ich auch sehr gemütlich, nur würde es mich unruhig machen, wenn ich ständig so viele schöne Dinge um mich herum hätte.
    Audrey Hepburn ist mir übrigens zu rehäugig. Statt dessen war ich schon als kleines Mädchen begeistert von Katherine Hepburn. Die war so wunderbar eigensinnig und hatte wohl auch privat eine eher reduzierte Garderobe.
    Mal schauen wohin die Richtung in meinem Kleiderschrank geht. Eher Audrey, oder Katherine oder vielleicht Charlie Chaplin - der hatte es ja auch in seinen Filmen sehr mit schwarz/ weiss?
    Liebe Grüße aus dem verregneten Köln
    Antje
    .

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Antje, dein Projekt finde ich sehr interessant und werde es mit großer Freude verfolgen. Das Thema Minimalismus begeistert mich auch schon länger, auch wenn es schwierig umsetzbar ist. Im Kleiderschrank ist es nicht mein Motto, aber ich achte sehr darauf, dass ich die Sachen, die ich Nähe auch oft trage. Dann ist ein gefüllter Kleiderschrank für mich vertretbar. Außerdem nähe ich zur Entspannung, das rechtfertigt für mich dann auch die vielen Kleider. Quasi als Nebenprodukt meiner Psychohygiene.
    LG Karin

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Antje,
    auch mich spricht Dein Plan sehr an. Ich träume auch von einem übersichtlichen Kleiderschrankinhalt, in dem alles miteinander funktioniert, für alle Gelegenheiten das Passende dabei ist, der nicht langweilig ist....
    Ob ich das mit 10 Teilen o.ä. umsetzen könnte? Ich weiß nicht. Umso interessierter werde ich Dir zusehen.
    LG Luzie

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Antje,
    ich finde deinen Plan wirklich toll und lese gerne mit bei der Umsetzung. Denn mich treibt dieses Thema auch immer wieder um, wenn ich morgens vor dem Kleiderschrank stehe und gerade nichts zusammenpasst oder die Blusen erst noch gebügelt werden müssen. Ich würde gerne auch mehr Einfachheit in meinen Schrank einziehen zu lassen und habe auch immer mal bei "into mind" oder bei "the wardrobe architect" vorbeigeschaut. Bin sehr gespannt, wie du das Thema umsetzt und wünsche dir viel Erfolg dabei!
    Lieben Gruß,
    Julia

    AntwortenLöschen
  6. Das ist ein interessantes Projekt! Ich bin sehr gespannt, wie es damit weitergeht! Wie gut, dass Du Frauen hast, denen Du Deine hübschen überzähligen Sachen abgeben kannst. Wenn ich jemanden für meine übrigen Sachen habe, fällt mir das Loslassen ganz leicht. Leider ist bei mir niemand im Freundeskreis, wo es passt, so muss ich meine Kleider erst mal noch behalten ;)
    Liebe Grüße, SaSa

    AntwortenLöschen