Es geht auch anders...

Sonntag, 6. September 2015

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In den letzten Wochen und Monaten war in den Medien viel zu hören über die Situation der Flüchtlinge, die nach oftmals langer Odyssee europäischen Boden erreichen, oder auf dem Weg zu uns, egal ob auf dem Meer oder dem Landweg ihr Leben verloren haben.
Viele Blogger haben bereits ihrem Entsetzen darüber Luft gemacht, wie wenig Hilfsbereitschaft einige der europäischen Staaten gezeigt haben und wie entsetzt sie selbst darüber sind, wie menschenfeindlich viele der so genannten besorgten Bürger in ihrem eigenen Land sich zeigen.

Lange habe ich gezögert, selbst etwas zu diesem Thema zu schreiben, da ich mich schwer tue, in Massenentrüstungen im Netz einzustimmen, auch wenn sie in den meisten Fällen gut gemeint sind.

Die permanente Berichterstattung über ewig Gestrige, neue Nazis, besorgte Biedermänner und allgemeine Fremdenfeindlichkeit haben natürlich auch mich nicht kalt gelassen. Aber ich wollte verhindern, solchen negativen Menschen auch auf meinem Blog noch Platz einzuräumen.

Umso mehr freut es mich, statt dessen über positive Beispiele und große Hilfsbereitschaft schreiben zu können.
Auch bei mir sind Tränen geflossen, als ich in den Nachrichten von der überwältigenden Hilfsbereitschaft gehört habe, mit der die über Ungarn eingereisten Flüchtlinge in unserem Land aufgenommen worden sind. Zu hören wie nicht nur aber zum Beispiel auch in Dortmund viele Hundert Menschen sich sofort aufgemacht haben, um am Bahnhof die Züge mit den ankommenden Menschen, die einen langen angstvollen Weg hinter sich haben, willkommen zu heißen, macht mich dankbar und glücklich.
Egal ob sie Spenden mitbringen konnten oder nur ihren guten Willen und ihre Hände um mit anzupacken und zu helfen.

Wie schön ist es, Transparente zu lesen, auf denen ein großes Willkommen steht, statt der sonst schon zu oft gesehenen menschenfeindlichen Parolen.
Diese spontane Hilge macht mir Mut daran zu glauben, dass die Mehrheit der Menschen in unserem Land für Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft steht.

Flüchtlinge sind keine anonyme Masse, auch wenn merkwürdige Wortschöpfungen wie "Flüchtlingsströme" (die uns überfuten) das gern suggerieren und damit Ängste schaffen.

Jeder Mensch, der gezwungen wird, seine Heimat zu verlassen um sich und seine Familie vor Krieg und Not zu retten, hat unserer Hilfe verdient.

Vor 70 Jahren, nach dem zweiten Weltkrieg waren viele Millionen Menschen in Deutschland gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Unter ihnen auch meine Mutter die (Jahrgang 1928) mit 17 Jahren vor der russischen Armee aus ihrer ehemaligen Heimat Pommern flüchten musste.
Wie die meisten Menschen die ihr Schicksal teilten, viel es ihr sehr schwer darüber zu reden, was sie erlebt hat und nur selten war sie bereit und in der Lage über die ihre Erlebnisse aus dieser Zeit zu zu sprechen.

Worüber sie aber sprechen konnte war die tiefe Ablehnung mit der sie und viele andere Flüchtlinge im restlichen Teil Deutschlands empfangen worden sind. Man hätte eigentlich denken sollen, nach dem Grauen des Krieges würden die Menschen zusammen halten und sich gegenseitig helfen, aber auch damals waren sich viele selbst der Nächste und hatten wenig  übrig für Menschen in Not, die Lebensmittel, einen Schlafplatz und Hilfe für den Aufbau einer neuen Existenz brauchen. Gut damals war die wirtschaftliche Situation im ganzen Land katastrophal, das mag für viele als Entschuldigung gelten.

Heute ist es anders. Wir leben in einem reichen Land und uns geht es gut. Wir können alle helfen - selbst wenn es nur ein freundliches Willkommenslächeln ist oder eine Hand die mit anpackt. Wir haben ein Dach über dem Kopf (egal ob die Wohnung darunter groß oder klein ist). Wir haben genug zu essen und genug Kleidung.

Nach spontaner Begeisterung und Hilfsbereitschaft folgt aber auch oftmals Katzenjammer, wenn wir in unserer eigenen Bequemlichkeit eingeschränkt werden und uns an neue Umstände gewöhnen müssen. So war es auch nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung. Anfangs in den ersten Wochen nach dem Mauerfall lagen sich die Menschen aus Ost und West in den Armen. Nach einiger Zeit folgte dann aber auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze eine latente Unzufriedenheit mit der Situation - "Schuld" waren natürlich immer die jeweils Anderen...

Die Einwanderung vieler neuer Menschen in unser Land, wird auch unser Leben nachhaltig verändern. Wir wissen noch nicht wie. Aber eins ist sicher: Je mehr wir selbst auf die Menschen die zu uns kommen zugehen und sie freundlich aufnehmen und unterstützen, umso mehr profitieren wir alle davon. 

Daher möchte auch ich an dieser Stelle auf die Aktion #bloggerfürflüchtlinge hinweisen:






Unser Land wird sich in den nächsten Jahren verändern. Ob es sich zum positiven verändert liegt an uns Allen. Wir können selbst etwas dazu beitragen und mit anpacken!



  


Kommentare:

  1. Ich freue mich immer wieder, wenn jemand über den Nähbloggerinnen -Tellerrand schaut und sich zum derzeitigen Geschehen äußert. Ich finde, du habst das sehr differenziert gemacht und auch mit einem gewissen Weitblick in die Zukunft. Danke!
    LG
    Astrid

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  2. Da ich es nicht gut formulieren kann, bleibe ich heute bei: Gern gelesen
    mhs
    anonym da bloglos

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